Bio lässt die Erträge schrumpfen

Agrarpolitik: Die Ausweitung der Biolandwirtschaft steigert die Abhängigkeit von Lebensmittelimporten.

Thomas Resl ist nicht nur Leiter der Bundesanstalt für Agrarwirtschaft, sondern auch Biobauer. Gut, dass er das noch vor seinem Referat bei der Fachtagung der Organisation foodsecurity zum Thema Ernährungssicherheit mitteilte. Sonst wären die Reaktionen der Zuhörer auf seinen Vortrag bei der Agentur für Gesundheit und Ernähungssicherheit (AGES) wohl noch wesentlich emotionaler ausgefallen.

Die Botschaft des Biobauern hat vielen nicht gefallen: Die Erträge der Biolandwirtschaft sind deutlich niedriger als angenommen. Bisher war man davon ausgegangen, dass der Verzicht auf konventionelle Pflanzenschutzmittel den Ertrag auf durchschnittlich 80 Prozent reduziert. Doch das war viel zu optimistisch.

Da es früher kaum vergleichbare Erhebungen gab, hat Resl mit einer umfangreichen Datenerhebung begonnen. Die neue Studie zeigt, dass der Ertrag bei Bio-Getreide lediglich 65 Prozent des Ertrags von konventionellen Anbau ausmacht. Bei Bio-Kartoffeln sind es nur 51 Prozent. Bei Zuckerrüben ist mit 73 Prozent Bio-Ertrag die Differenz etwas kleiner.
Schere geht auf

Die Ergebnisse deuten außerdem darauf hin, dass die Schere bei den Erträgen zwischen konventioneller und biologischer Landwirtschaft weiter aufgeht. Die Zuwächse im traditionellen Bereich sind offenbar höher als in der Biolandwirtschaft.

Nur die Soja-Bohne kommt mit 91 Prozent knapp an die konventionelle Konkurrenz heran. Beim Anbau in Gebieten mit höheren Niederschlägen wie im Nordosten Niederösterreichs kann es sogar vorkommen, dass der Bio-Ertrag über dem der konventionellen Anbaumethode liegt.

Die bei allen anderen Nutzpflanzen niedrigeren Erträge haben Auswirkungen auf den Selbstversorgungsgrad mit landwirtschaftlichen Produkten. Österreich hat beim Handel mit Agrarprodukten derzeit bereits ein Außenhandelsdefizit beim Warenwert von zehn Prozent. "Ohne Red Bull wären es zwanzig Prozent", rechnet Resl vor.

Eine Ausweitung der Flächen für Bioanbau hätte daher negative Auswirkungen auf den Grad der Selbstversorgung. Die Abhängigkeit vom Ausland würde steigen. Resl: "Mehr Bioflächen bedeuten automatisch höhere Ausgaben für Lebensmittel-Importe."

Alois Leidwein, Bereichsleiter für Forschung bei der AGES, kommt zu einem ähnlichen Ergebnis. Es hat mehrere Szenarien durchgespielt. Bei einer flächendeckenden Umstellung auf Biolandwirtschaft "ist schon vor 2030 mit einer massiv steigenden Importabhängigkeit in der Lebensmittelversorgung auszugehen", lautet eines der Ergebnisse.

Um bei einer völligen Umstellung auf Bio die selben Mengen an Lebensmitteln herstellen zu können, würden zusätzlich mehr als eine Million Hektar Anbaufläche benötigt. Doch die gibt es in Österreich nicht.

Leidwein hat auch untersucht, was passiert, wenn die heimische Landwirtschaft alle ertragssteigernden Methoden, also auch Gentechnik, anwenden würde. Bei diesem Szenario würde der Flächenverbrauch bei gleichbleibender Nahrungsmittelproduktion um 300.000 Hektar sinken. Welchen Weg die heimische Landwirtschaft gehen soll, ist für Leidwein keine Frage der Wissenschaft: "Das ist eine politische Entscheidung."
Brasilien

In Brasilien ist diese Entscheidung bereits in den 1970er-Jahren gefallen. Pedro Machado hat einst in Wien auf der Universität für Bodenkultur studiert. Heute arbeitet er für die brasilianische Nahrungsmittelbehörde. Den Luxus, nicht auf die Erträge zu achten, können sich Länder wie Brasilien nicht leisten. Wegen der konsequenten Anwendung von biotechnischen Methoden wie Gentechnik sei es gelungen, die Erträge in den vergangenen 40 Jahren um 200 Prozent zu steigern.

Machado ist stolz darauf: "Früher mussten wir Nahrungsmittel importieren. Heute gehört Brasilien zu den wichtigsten Agrarexporteuren der Welt."

 

Ein Dank gilt dem Kurier für das zur Verfügung stellen des Artikels, sowie dem Verfasser des Berichtes Mag. Andreas Anzenberger.