Aktuelle Entwicklungsschritte bei AMA-Gütesiegel – Frischfleisch und Verarbeitung

Größte Expansion seit 20 Jahren

Nach 20 Jahren AMA-Gütesiegel, in denen primär die Handelskette Spar den Erfolg des Gütesiegels bei Schweinefleisch gewährleistet hat, ist es nun gelungen auch die größte Handelskette Billa als Gütesiegel Frischfleischvermarkter zu gewinnen. In Folge dieser erfreulichen Entwicklung steht die vorgelagerte Branche d. h. Landwirtschaft sowie Schlacht- und Zerlegebetriebe vor neuen Herausforderungen. Zusätzlich laufen Vorbereitungen die Fleischindustrie zur Verwendung von AMA-Gütesiegel Rohstoff für die Produktion und Vermarktung von AMA-Gütesiegel Wurst-Schinken-Produkten zu verpflichten.

Verfügbares GS-Volumen als zentrales Kriterium

Im Vorfeld dieser Entwicklungen gab es zahlreiche Verhandlungen der involvierten Branchen, wobei Machbarkeit und diverse Auswirkungen auf verbundene Bereiche genau analysiert wurden. Dabei gab es seitens der entscheidenden Unternehmen wie Spar, REWE und Fleischindustrie sehr präzise Bedingungen.

Spar verlangte die Zusicherung, dass weiterhin ausreichend Ware verfügbar ist, die Zuschläge nicht steigen und die Qualität des Fleisches nicht sinken darf. REWE/Billa zweifelte bis zuletzt an der ausreichenden Verfügbarkeit von AMA-Gütesiegel Frischfleisch in der bisher gekannten Qualität.

Die Fleischindustrie, die wenig Bereitschaft für ein Rohstoffupgrade bekundet (bisher ist die Rohstoffverwendung von SUS überwachtem, in Österreich geborenem Rohstoff ausreichend) bezweifelt ebenfalls die ausreichende Rohstoffverfügbarkeit und lehnt eine Erhöhung der Rohstoffkosten vehement ab. Mit der absehbaren Verpflichtung zu AMA zertifiziertem Rohstoff geht auch einher, dass Fleisch von Altsauen, welches als Wurstrohstoff zum Einsatz kommt, ebenfalls auf Gütesiegelniveau angehoben werden muss.

Kennzeichnung am Schlachthaken ab Oktober 2017 ausgeweitet

Vor diesem Hintergrund suchte die Österreichische Schweinebörse mit den namhaften Abnehmern nach gangbaren Wegen was letztlich zu folgender Branchenvereinbarung geführt hat: Zur Gütesiegelstempelung am Schlachtband wird ab Oktober die Gewichtsbegrenzung auf 80-120 kg ausgeweitet und die Begrenzung durch Magerfleisch-Prozente fällt weg. Diese Maßnahme dürfte das AMA-GS-Volumen am Schlachthaken um ca. 30 % erhöhen. Auf dem Protokoll der Klassifizierung werden die zusätzlich zum bestehenden Reglement anfallenden AMA Schlachtkörper als AMA-V gekennzeichnet, wobei das V den Hinweis auf Verifizierung  geben soll.

Mit der Erhebung der AMA-V gekennzeichneten Ware soll es gelingen, die Fleischindustrie vom Vorhandensein des AMA-Rohstoffes zu überzeugen und die Zustimmung zur AMA-Rohstoffverpflichtung zu erreichen. Die von Seiten der Ö-Börse geforderte Prämierung die zusätzliche AMA-V Ware mit 2 Cent pro kg wurde von der abnehmenden Seite, wie bereits oben beschrieben, massiv abgelehnt.

Immer mit dem Hinweis, das Projekt Gütesiegel ansonsten zur Gänze zu Fall zu bringen. Des Weiteren wies die abnehmende Seite darauf hin, dass seitens der Gütesiegel-Mäster keine Umstellung bzw. Mehrleistung ab Oktober gefordert bzw. erbracht wird.

Nach geplanter GS-Einbindung der Ferkelstufe – Abgeltung für Sauenhalter

Noch im Frühjahr 2018 soll die Mengenverfügbarkeit mit der Fleischindustrie evaluiert wer-den und in Folge ein Stufenplan zur Umsetzung der Rohstoffverpflichtung vereinbart werden. Ab diesem Zeitpunkt ist geplant, auch die Ferkelstufe in das AMA-Gütesiegel einzubinden d. h. auch für den Rohstoff „Altsau“ eine AMA-Gütesiegel Zertifizierung zu erreichen.

Dazu bedarf es bei den Sauenhaltern einiger Umstellungen und Mehrleistungen. Darüber hinaus sind die Kosten der von der AMA angeordneten Betriebskontrolle durch den Sauenhalter zu tragen. Um dafür einen vertretbaren Ausgleich den Ferkelerzeugern bieten zu können wurde mit der Schlachtbranche ein Zuschlag von 5 Cent pro kg Schlachtgewicht vereinbart. Diese Regelung dürfte aus derzeitiger Sicht frühestens im zweiten Halbjahr 2018 in Kraft treten, sofern mit der Fleischindustrie ein konstruktiver Weg vereinbart werden kann.

Zusammengefasst stellt die Preismaske (sprich Bezahlung der einzelnen Qualitäten) das wichtigste Instrument für die Ausrichtung der Qualitätsanforderungen für den Frischfleischmarkt bzw. Verarbeitungsware dar. Dabei gilt es zu beachten, dass das erfolgreiche Programm im Frischfleischmarkt nicht gefährdet wird bzw. gleichzeitig möchte man im Verarbeitungsbereich Fuß fassen. Der gemeinsam gewählte Stufenplan ab Oktober stellt die richtige Richtung dar bzw. die bereits erfolgte Umstellung des Optimalgewichtskorridor soll die Frischfleischqualitäten noch besser hervorheben. Die derzeitige Vorleistung der Landwirtschaft und Schlachthöfe muss sich auch ökonomisch ab 2018 nieder schlagen. Wenn nicht, wird es beiderseits einen Rückzug aus dieser erbrachten Vorleistung geben. Es muss aber bedacht werden, dass ein jedes Programm ohne Weiterentwicklung bzw. größerer Akzeptanz früher oder später nicht mehr existieren wird.

Mit freundlichen Grüßen

DI Raimund Tschiggerl
Geschäftsführer Styriabrid